Meditation

Meditieren ist einfach nichts für mich. Ich finde meditieren schrecklich. Ich hasse es. Es macht so gar keinen Spaß. Da passiert ja gar nichts dabei. Es nervt total. Ich weiß gar nicht, warum so viele Leute auf Meditation stehen. Nur rumsitzen und Om machen. Und an nichts denken kann ich sowieso nicht, pff. Ich denke dann immer an alles mögliche, wie meine To-Do-Liste. Und dann mag ich am liebsten aufspringen und sie erledigen gehen, anstatt meine Zeit mit Rumsitzen zu verschwenden. Geld für eine Meditationsstunde oder Meditationsapp ausgeben, damit mir jemand erzählt, wie ich atmen soll und an was ich denken soll? Nein, danke. Das kann ich selber.

Die Angst vor den eigenen Gedanken

Darf ich präsentieren? Die alte Mai mit ihren damaligen Gedanken zu Meditation von vor ca. 2 Monaten. Und was soll ich sagen… Ich wurde vom Leben eines Besseren belehrt, haha. Das Problem war nie das Meditieren, sondern ich. Nicht überraschend, oder? Für mich war es tatsächlich ein Durchbruch! Das war etwas, das ich mein Leben lang nicht wahrhaben wollte und anerkennen konnte: Ich habe viele Probleme und ich habe Angst davor mich ihnen zu stellen.

Und genau das ist es, was beim Meditieren geschieht: Man setzt sich hin, lässt die Gedanken fließen und dann kommen logischerweise auch diejenigen Gedanken, die man im Alltag wegschiebt. Aber wenn’s denn bloß bei den Gedanken bleiben würde… Das Schlimmste waren für mich die Gefühle, die sich langsam angeschlichen haben: Trauer, Einsamkeit, Wut, Scham… Das waren alles Gefühle und Emotionen, die “nicht in mein Leben gepasst haben”. Ich fand sie schwach und wollte sie deswegen nicht haben. Ich war doch die fröhliche und super starke Powerfrau, da kann ich doch keine so schwachen Gefühle haben.

Die Macht der Verletzlichkeit

Brené Browns Ted-talk “Die Macht der Verletzlichkeit” hat mich eines Besseren belehrt. Sie ist eine amerikanische Soziologin und forscht seit über 15 Jahren am Thema “Verletzlichkeit”. Ihr Fazit: Verletzlichkeit ist keine Schwäche, sondern eine Stärke. Das Problem mit der Verletzlichkeit ist, dass wir sie bei uns selbst als Schwäche abtun. Wenn anderen Menschen sich aber verletzlich machen, dann empfinden wir das als Stärke.

“Vulnerability is courage in you and inadequacy in me. I’m drawn to your vulnerability but repelled by mine.”

– aus dem Buch „Daring Greatly“ von Brené Brown bzw. “Verletzlichkeit macht stark

Einfaches Bespiel: Dieser Blogpost, mein offener Umgang zum Thema Burnout, Depression, Posttraumatische Belastungsstörung auf meinem Instagram Account. Mit dem Teilen meiner Geschichte und meiner Gedanken mache ich mich sehr verletzlich. Ihr findet das stark. Ich bekomme super viele private Nachrichten, wie unglaublich stark, toll, mutig Menschen mich deswegen finden. Und jetzt kommt’s: Aber sie selber könnten das ja nicht. Parallele gefunden?

Also ich habe sie definitiv für mich gefunden, es war sehr augenöffnend. Ich habe mit Leidenschaft die 30 Tage Vulnerability (Verletzlichkeit) Challenge von Connie Bisalski auf YouTube und Instagram Posts von Caroline Hopp zu ihrem Kampf gegen die Essstörung und Kea zum Umgang mit Depressionen aufgesogen und immer gedacht: “Boah, die sind so stark und mutig, aber ich könnte das nicht.”

Bitte versteht mich nicht falsch, ich sage nicht, dass jeder jetzt anfangen soll über seine Probleme, Ängste, Schwächen zu bloggen und zu posten und sich damit verletzlich machen. Nein. Ein offener Umgang mit der eigenen Verletzlichkeit fängt bei dir selber an. Lerne mit dir und deinen vermeintlichen Unzulänglichkeiten umzugehen, sie anzunehmen, sie in den Arm zu nehmen. Mache dich dir selbst gegenüber verletzlich. Ein Plädoyer für die Verletzlichkeit!

Erste Schritte zur Meditation

Wie der Zufall so wollte, bin ich zu der Zeit in der ich anfangen wollte, das von Brené Brown Gelernte in die Tat umzusetzen bei Spotify auf den Podcast “Meditation, Coaching & Life” von dem Rapper Curse gestoßen. Der ist jetzt etwas über ein Jahr alt. Ich habe ganz von vorne angefangen (war ein bisschen Scrollarbeit), aber es lohnt sich!

Er erklärt super cool, wie man leicht in die Meditation einsteigen kann. Eine Folge geht ca 20-30 Minuten. Davon erklärt er am Anfang ein bisschen Theorie – für mich Kopf-Menschen sehr wichtig – und dann leitet er eine Meditation an, die man mit machen kann, aber nicht muss. Am meisten haben mir die Metapher von der Veranda und die 7 Gesten aus dem tibetischen Buddhismus geholt (hierzu schreibe ich sicherlich nochmal ‘nen eigenen Blogpost). Zieht euch sienen Podcast rein, es lohnt sich! #maifact: Ich gestehe, ich habe einen Crush auf seine Stimme, die ist super heiß! Also es lohnt sich doppelt 😀

Witzigerweise habe ich in meiner Yogalehrerinnenausbildung das Buch “Mit dem Herzen eines Buddhas” bzw. “Radical Acceptance” von Tara Brach als Hausaufgaben Lektüre für die ganze Ausbildung bekommen. Als ich mit der Ausbildung angefangen habe, konnte ich mit dem Buch nichts, so gar nichts, anfangen. Ich habe es 3x angefangen zu lesen, aber bin nicht weiter als Seite 20 gekommen. Drei Mal dürft ihr raten, worum es in dem Buch geht… Genau, Meditation, haha. Sie ist Psychologin und schildert in kurzen Kapiteln Fälle von Patient*innen und auch teilweise aus ihrer eigenen Lebensgeschichte und stellt dann mögliche Meditationen vor, wie man den Unwägbarkeiten des Lebens “mit dem Herzen eines Buddhas” entgegen treten kann.

Meditieren mit App

Und meine letzte und aktuell liebste Entdeckung: Die Headpace App! Das ist eine App mit angeleiteten Meditationen. Und unglaublich süßen Animationen! Ich habe einige Apps ausprobiert, das ist eindeutig mein Favorit. Ich hatte oft das Gefühl, dass die Meditationsapps sehr starr sind, nur wenige Themen (wenn überhaupt) und nur bestimmte Längen. Headspace ist komplett anders. So als ob die Macher all mein Gemecker gehört hätten, haha. Es gibt super viele unterschiedliche Meditations-Pakete mit 10-30 Meditationen drin.

Ich ziehe mir z.B. gerade diese 3 Pakete rein: Basics, Sleep und Stress. Die Meditationen in den Paketen bauen aufeinander auf und helfen einem besser zu schlafen, mit Stress umzugehen, mit Wut anzugehen, produktiver zu sein, kreativer zu sein und und und. Es gibt es unendliche viele Pakete. Und das geilste: Man kann wählen, wie lange man meditieren möchte. Jede Meditation bietet 3 verschiedene Längen an: 3mins/5mins/10mins oder auch 10mins/15mins/20mins, je nach Meditation. D.h. “Keine Zeit” ist keine Ausrede mehr 😀

Und mein absolutes Highlight sind die Schlafgeräusche. Die mache ich mir einfach abends, wenn ich ins Bett gehe an und schlafe (meistens) tatsächlich sehr viel schneller und besser ein. Keine Ahnung, wie das klappt, aber die Geräusche sind einfach super beruhigend! <3

Meditation im Alltag

Also, wie sieht nun mein Alltag mit Meditation aus? Ich starte morgens auf meiner Yogamatte mit der Basic Meditation, die dauert zwischen 3 und 10 Minuten. Danach starte ich dann ziemlich entspannt und voller Kraft in den Tag. Vor dem Essen gibt’s eine Mini-Dankbarkeitsmeditation, bei der ich einfach einen Augenblick innehalte und mich für das wunderbare Essen, das ich auf dem Teller habe bedanke.

Abends vor dem Schlafen gehen mache ich entweder eine angeleitete Meditation aus Headspace oder meditiere frei für mich selber mit den Techniken, die ich u.a. aus dem Podcast von Curse gelernt habe. Nach der Meditation geht es ins Bett zur Dankbarkeitsmeditation. Ich schreibe 3 Dinge auf für die ich dankbar bin und begründe sie. (Dazu schreibe ich sicherlich auch mal einen Blogpost.) Dann kommen meistens die Schlafsounds aus der Headspace App und ich schlafe im besten Fall ziemlich schnell ein und wache morgens wieder erholt auf <3

Und auch hier wieder: Keine Sorge, ihr müsst das nicht alles machen, um “zu meditieren”. Das sind Routinen, die habe ich mir in den letzten Monaten angeeignet. Und stelle sie immer wieder um und bin auch super flexibel. Manchmal vergesse ich vor lauter Hunger vorher dankbar zu sein, dann mache ich das einfach zwischen drin oder nach dem Essen. Manchmal bin ich so scharf auf meinen Freund, dass ich die ganze Abendroutine überspringen und mich auf ihn stürze. #dashatsienichtgesagt All das ist ok, Meditation soll dir im Alltag helfen und nicht zum starren Korsett werden.

Und bei euch so?

So, und nun verabschiede ich mich nach einem sehr langen Meditations-Post. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal so viel zu diesem Thema zu erzählen hätte, haha. Ich bin sehr gespannt, wie ihr zum Thema Meditation denkt. Meditiert ihr selbst? Wenn ja, wie? Oder wollt ihr damit anfangen? Was sagt ihr zu Brené Browns Theorie zur Verletzlichkeit, Curse’ Meditationspodcast und der Headspace App?

Ich bin super gespannt auf eure Kommentare und verabschiede mich!
Eure Mai1

P.S. am 5. Mai 2018 gebe ich einen Workshop zum Thema „Besser Präsentieren mit Yoga und Meditation“ in Mannheim. Anmelden und weitersagen. Es wird großartig!
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